26 May 2026

«Kunst soll dort erfahrbar werden, wo sie entsteht.»

Mit Ateliers Ouverts kommt ein seit über zwanzig Jahren im Elsass etabliertes Format erstmals nach Basel-Stadt und Baselland. Die grenzüberschreitende Veranstaltung öffnet Ateliers für ein breites Publikum und rückt jene Orte ins Zentrum, an denen Kunst entsteht: Arbeitsräume, Prozesse und persönliche Begegnungen. Gemeinsam mit Melanie Kuratli und Alexandra Adler sprechen wir über die erste Basler Ausgabe, die Herausforderungen eines neuen Formats und die aktuelle Ateliersituation in Basel.

Gab es spezifische Herausforderungen bei der Erweiterung nach Basel?

AA: «Für die erste Umsetzung dieses Projekts in Basel war es uns wichtig, nicht alles neu zu erfinden, sondern bestehende Infrastrukturen und vorhandenes Know-how zu nutzen. Aber wie immer, wenn man etwas zum ersten Mal und in sehr kurzer Zeit realisiert, gibt es Herausforderungen. Definitiv für die Umsetzung entschieden haben wir uns erst vergangenen Dezember.»

MK: «Momentan ist das gesamte Team stark gefordert. Wir mussten den Beteiligten in Basel zuerst einmal das Konzept erklären, Menschen ins Boot holen und das Potenzial des Projekts für die Teilnehmenden vermitteln. Viele mussten erst auf die Idee aufmerksam gemacht werden und Lust bekommen, teilzunehmen. Das Atelier ist ein privater Ort und diesen öffentlich zugänglich zu machen, fühlt sich nicht für jede Person gleich angenehm an, was natürlich verständlich ist. Die Kommunikation musste deshalb anders und sensibler geführt werden, gerade weil das Projekt hier noch unbekannt ist. Wir sind mit der Idee jedoch auf grosses Interesse gestossen: Insgesamt nehmen rund 100 Kunstschaffende teil, die in 32 Ateliers in Basel-Stadt und Baselland arbeiten.»

AA: «Im Elsass ist das Projekt bereits sehr etabliert, und dort hat man die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen die Ateliers besuchen. Diese Überzeugungsarbeit hier in Basel zu leisten, gehörte sicher zu den grössten Herausforderungen. Gemeinsam mit den Künstler:innen wagen wir nun einen ersten Versuch, der vielleicht die Grundlage für weitere Ausgaben und langfristige Strukturen bilden kann.»

Wie lief der Aufbau der Organisation in Basel – wer sind die lokalen Partner:innen und Netzwerke, die ihr dafür aktiviert habt?

AA: «Wir haben Partnerschaften mit unterschiedlichen lokalen Institutionen und Vereinigungen aufgebaut, darunter Atelier Mondial, Haus Oslo Ateliers, Visarte und Civic, die beispielsweise Räume für den Fachtag zur Verfügung stellen. Auch das Materiallager OFFCUT ist eingebunden und bietet innerhalb des Fachtages eine Führung an. Der Ausstellungsraum Klingental fungiert während der Veranstaltung als Infopoint und das DOCK diente als Verteilstation für die Flyer und weitere Materialien. Die Partnerschaften bilden ein Netzwerk und bringen unterschiedliche Formen der Unterstützung für die Veranstaltung ein – sei es durch die Bereitstellung von Räumen, durch Expertise am Fachtag oder durch Unterstützung in der Kommunikation.»

Wie ist die derzeitige Situation bezüglich Ateliers für bildende Kunstschaffende in Basel aus?

MK: «Ich habe bei Visarte an der Stellungnahme zur Vernehmlassung des Kulturleitbildes Basel-Stadt mitgearbeitet und dabei kamen wir zum Schluss: Die Ateliersituation ist derzeit nicht zufriedenstellend – es bräuchte mehr Ateliers beziehungsweise Förderateliers. Viele Kunstschaffende können sich ein Atelier gar nicht mehr leisten, weil ihr Einkommen dafür nicht ausreicht. Das war auch im Rahmen der Ateliers Ouverts ein Thema, denn einige verfügen nicht über die zeitliche und finanzielle Freiheit, ihr Atelier zwei Tage lang offen zu halten, da sie in dieser Zeit keiner Erwerbs- oder Care-Arbeit nachgehen können. Auch die Beständigkeit von Atelierräumen ist oft nicht gegeben, da viele Ateliers in Zwischennutzungen entstehen, die dann mehr oder weniger plötzlich enden.»


Was erwartet das Publikum in Basel konkret an den Veranstaltungstagen? Gibt es konkrete Formate oder Begegnungen, die den Austausch zwischen Kunstschaffenden und Besuchenden fördern sollen?

MK: «Wir haben einen Basel-spezifischen Fachtag als Auftakt konzipiert. Dieser findet am Freitag, 29. Mai im Bereich Freilagerplatz statt und entsteht in Zusammenarbeit mit Atelier Mondial sowie weiteren Institutionen auf dem Dreispitz. Eingeladen sind exklusiv alle an den Ateliers Ouverts teilnehmenden Kunstschaffenden sowie ausgewählte Fachpersonen. Ziel ist es, mit unterschiedlichen Formaten – etwa Einzelgesprächen, Diskussions- und Präsentationsrunden – miteinander in den Austausch zu treten. Der Anlass richtet sich an Kunstschaffende, Kurator:innen, Galerist:innen, Journalist:innen sowie Fachpersonen aus dem künstlerischen und kunsthistorischen Bereich.»

AA: «Ein solcher Auftakt findet jeweils auch in Strasbourg statt und ermöglicht persönliche Begegnungen. Am Freitagabend (29. Mai 2026) veranstalten wir zudem ein grosses öffentliches Eröffnungsfest in der FABRIKculture Hégenheim, also in der Peripherie von Elsass und Basel. Es gibt Musik sowie Performances von binationalen Künstler:innen. Am Samstag und Sonntag (30. und 31. Mai) sind dann alle teilnehmenden Ateliers in Colmar, Mulhouse, Hégenheim und eben erstmals auch Basel geöffnet und frei zugänglich. Im Ausstellungsraum Klingental befindet sich ein Infostand für Besuchende der Veranstaltung. Zudem gibt es einen übergreifenden Flyer, auf dem alle teilnehmenden Ateliers verzeichnet sind»

MK: «Das Erlebnis in den Ateliers selbst wird sehr individuell sein. Den teilnehmenden Kunstschaffenden steht offen, wie sie ihr Atelier präsentieren möchten – ob sie dort arbeiten oder eine kleine Ausstellung einrichten. Viele bieten zusätzlich Konzerte, Performances, Audioinstallationen oder andere Formate an.»

Welche Zielgruppen möchtet ihr in Basel besonders erreichen?

AA: «Wir sprechen bewusst die breite Bevölkerung an und möchten Einblicke darin geben, wie und wo Kunst entsteht – Kunst, die man vielleicht sonst nur aus Ausstellungen kennt. Menschen, die diese Arbeitswelt kennenlernen möchten, sowie weitere Kunstinteressierte laden wir herzlich zu einem Besuch ein.»

MK: «Und natürlich geht es uns auch um den überregionalen Austausch unter den Kunstschaffenden selbst. Da die Veranstaltung an zwei Wochenenden stattfindet, besteht die Möglichkeit, alle teilnehmenden Regionen in Frankreich und der Schweiz zu besuchen. Zudem hoffen wir, dass durch den Fachtag auch bei Fachpersonen das Interesse geweckt wird, über die Landesgrenzen hinauszublicken und die jeweils andere Szene kennenzulernen.»

Worauf freut ihr euch persönlich bei der ersten Ausgabe in Basel am meisten?

AA: «Ich freue mich besonders darauf, Ateliers kennenzulernen, die ich bisher noch nicht kenne – vielleicht auch solche in der Peripherie, wo man eher selten hinkommt. Und natürlich freue ich mich auf das öffentliche Fest, bei dem alle zusammenkommen und feiern.»

MK: «Für mich steht der zwischenmenschliche Austausch unter den Beteiligten im Vordergrund.»

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Ateliers Ouverts 2026, 23. & 24. Mai Bas-Rhin + 30. & 31. Mai Haut-Rhin & Basel, jeweils 10 - 18h.

Das Programm findet sich hier.

Vernissage Haut-Rhin & Basel mit Performances, Konzerten und Gastronomie, Freitag, 29. Mai 2026, 18h bis Mitternacht, FABRIKculture, 60 Rue de Bâle, 68220 Hégenheim, Frankreich.

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