Kunsttage-Streifzug von Raphael Wyniger

Wir haben verschiedene Persönlichkeiten der Kunstwelt gefragt, welche Orte sie an den Kunsttagen besuchen werden. Der vierte Kunsttage-Streifzug unserer Serie kommt von Raphael Wyniger.
Für diesen wunderbaren Anlass würde ich empfehlen, den Rundgang um 10.30 in der Teufelhof Bar zu starten. Für mich, nicht nur aus beruflicher Sicht, ist das ein passender Ausgangspunkt, denn der Teufelhof ist ein Ort, an dem Kunst, Theater und Gastfreundschaft nicht nebeneinander stehen, sondern sich im Alltag begegnen. Nach einem Espresso geht es nur wenige Schritte weiter zur Galerie Carzaniga. Ihre gute Auseinandersetzung mit Schweizer Kunst und ihre Verbundenheit mit Basel machen sie zum perfekten Auftakt.
Von dort führt der Weg ins Kunstmuseum Basel. Es gehört für mich zu dieser Tour, nicht einfach als Pflichtstation, sondern als wichtiger Bezugspunkt. Kaum ein anderer Ort zeigt so deutlich, wie selbstverständlich Basel historische Meisterwerke und zeitgenössische Positionen miteinander verbindet.
Danach geht es zurück in die Altstadt zu BOLO. «Yolo & Bolo mit Artists’ Recipes» verbindet Kunst, Kochen und Gastfreundschaft. Rezepte von Kunstschaffenden werden nicht nur gezeigt, sondern zubereitet und geteilt. Das gefällt mir, weil Kunst hier nicht auf Distanz bleibt, sondern über Geschmack, Begegnung und gemeinsames Essen unmittelbar erfahrbar wird. Eine gewisse Déformation professionnelle ist wohl auch dabei, das gebe ich zu.
Über die Mittlere Brücke führt die Tour anschliessend ins Kleinbasel zum DOCK. «Territórios Reimaginados: Reclaim Regional» stellt Fragen nach Zugehörigkeit, Migration und kolonialen Strukturen.
Zum Schluss empfehle ich die offenen Ateliers im Atelierhaus Klingental. Dort begegnet man nicht nur fertigen Werken, sondern auch den Menschen, Räumen und Prozessen dahinter. Ja, ich glaube so würde ich das Angehen. Aus meiner Sicht ein kleiner Einblick, was auch ich an Basel so schätze. Nähe und Weltläufigkeit, grosse Institutionen und unabhängige Räume, Tradition und Reibung, Genuss und ernsthafte Auseinandersetzung.
Und zum Schluss habe ich mir noch die folgende Bemerkung erlaubt: Am Samstag und Sonntag machen zudem zwei offizielle Rundgänge der Kunsttage im Teufelhof Halt und richten den Blick auf die Kunstzimmer sowie die Architektur des SET-Hotels.


