27 October 2026

«Die Bühne gehört den Kunstschaffenden»

Hinter einem Kunstwerk steckt oft mehr, als auf den ersten Blick sichtbar ist: technische Tüftelei, handwerkliches Können und die Suche nach Lösungen, wenn eine Idee an die Grenzen des Machbaren stösst. Als «Mumenthaler Works» setzt ein gelernter Technischer Modellbauer die Visionen von Kunstschaffenden in die Realität um. Nach acht Jahren in der Produktentwicklung bei Vitra und zwölf Jahren in einer auf Kunstumsetzung spezialisierten Firma hat sich Sven Mumenthaler selbstständig gemacht. In seiner Werkstatt verbindet er handwerkliche Präzision mit Experimentierfreude und begleitet Projekte von der ersten Idee bis zum fertigen Werk.

Sven, seit einigen Jahren gibt es deine Firma Mumenthaler Works. Du setzt für Kunstschaffende ihre Werke um. Wie kommt man zu diesem Beruf? Was ist dein Hintergrund?

SM: «Während meiner Lehre als Technischer Modellbauer (Giessereimodellbau) Mitte der Neunziger war ich bereits die ersten Male in der Kunstgiesserei St. Gallen zu Besuch. Schon da hat die Vielfalt und die Atmosphäre mein Interesse geweckt. Trotzdem habe ich dann acht Jahre in der Produktentwicklung der Vitra mit und für Designer:innen gearbeitet. Als dann ehemalige Mitarbeitende der Kunstgiesserei eine neue Firma im Bereich Kunstumsetzung in Münchenstein gegründet haben, wurde mir bewusst, dass ich eigentlich am liebsten mit Kunstschaffenden zusammen arbeiten möchte. Nach 12 Jahren in Münchenstein habe ich dann meine eigene Firma gegründet.»


Wie läuft ein Projekt bei dir ab, von der ersten Idee bis zum fertigen Werk? Und lassen sich alle Ideen so umsetzen, wie die Kunstschaffenden sie sich vorstellen?

SM: «Das ist sehr unterschiedlich. Es kann sein, dass Kunstschaffende mit genauen oder auch nur vagen Vorstellungen zu mir kommen. Zusammen suchen wir Möglichkeiten zur Umsetzung. Oftmals gibt es technische, zeitliche oder finanzielle Hürden, die dann Einfluss auf das Resultat haben können. Natürlich versuche ich immer Lösungen zu finden die möglichst nahe an die Vorstellungen der Kunstschaffenden kommen.»


Was war bisher dein herausforderndstes Projekt?

SM: «Ach, jedes Projekt hat seine Herausforderungen! Wie schon erwähnt, können es zeitliche, finanzielle oder technische Herausforderungen sein. Oftmals sind die herausfordernden Projekte diejenigen, bei denen unkonventionelle Lösungen gefunden werden müssen, experimentellen Charakter haben, komplex sind und bei denen ein gewisses Mass an Mut und Risikobereitschaft notwendig ist.»

Wie siehst du das Thema Autorschaft in deinem Beruf? Wo verläuft für dich die Grenze zwischen Umsetzen und Mitgestalten – und wie viel von dir steckt in einem fertigen Werk?

SM: «Ich erhebe keinen Anspruch auf Autorschaft, sondern sehe mich als unterstützenden und begleitenden Dienstleister, als Helfer hinter den Kulissen. Die Bühne gehört den Kunstschaffenden. Durch die enge Zusammenarbeit und Austausch mit den Kunstschaffenden während des ganzen Prozesses kann es natürlich durchaus sein, dass die Umsetzung durch eine andere Firma anders aussehen würde. Die persönliche geistige Schöpfung, die inhaltliche Verantwortung und somit auch die Autorschaft liegt ganz klar bei meiner Kundschaft.»


Gibt es ein Material oder eine Technik, mit der du besonders gern arbeitest oder eine, vor der du Respekt hast?

SM: «Ich habe grundsätzlich Freude am Handwerk, ob es nun Routinearbeit oder völliges Neuland ist. Die Kunstschaffenden, und die Erfahrungen die ich mit ihnen machen darf, interessieren mich gleichermassen wie Materialien und Herstellungstechniken.»

Arbeitest Du mit weiteren Personen zusammen oder liegt jeder Arbeitsschritt bei dir alleine und wird hier in Basel umgesetzt?

SM: «Am liebsten arbeite ich bei mir in der Werkstatt an der Umsetzung der Projekte, in engem Austausch mit den Kunstschaffenden. Da jedoch oftmals unterschiedliche Techniken, Fähigkeiten und spezielle Infrastruktur notwendig sind, bin ich bei gewissen Projekten auf Hilfe angewiesen.»


Ist Nachhaltigkeit in der Kunstproduktion ein Thema? Empfiehlst du beispielsweise nachwachsende Materialien und recycelst du, wo es möglich ist oder ordnen sich diese Aspekte der Vision der Kunstschaffenden unter?

SM: «Ich kann nicht für die Kunstproduktion als Ganzes reden, aber ich persönlich versuche, wenn immer möglich, einen ressourcenschonenden Umgang mit Materialien zu pflegen. Die Visionen der Kunstschaffenden stehen natürlich im Vordergrund, sowie auch Haltbarkeit, Statik und Wirtschaftlichkeit sind oftmals wichtige Aspekte.»

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Oktober 2026

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www.mumenthaler-works.ch

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